Bewunderung und Neid

Bewunderung und Neid
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Ein Mann traf im Wald eine Fee. Sie sagte zu ihm, er hätte drei Wünsche frei. Im gleichen Atemzug sagte sie aber auch, dass die Sache einen kleinen Haken hat: Alles was er sich wünscht, bekommt seine Schwiegermutter auch. Und zwar doppelt. Der Mann überlegte und sagte dann: „Ich hätte gerne einen Ferrari.“ ZACK – Im nächsten Augenblick stand ein neuer Ferrari vor ihm. Seine Schwiegermutter bekam jedoch zwei. Als Nächstes wünschte er sich eine Villa am Meer. ZACK – Schon stand eine wunderschöne Villa vor ihm, von der seine Schwiegermutter jedoch zwei erhielt. Voller Missgunst und Neid überlegte der Mann und sagte der Fee schließlich seinen dritten Wunsch: „Ich wünsche mir 40 Grad Fieber!“

Dieser Witz zeigt, dass Neid zu einer verhängnisvollen Gewohnheit werden kann.

Er schadet anderen und uns selbst. Wer neidisch ist, ver(sch)wendet seine eigene Lebenskraft gegen sich selbst.

Ich kann mich gerade nicht mehr darin erinnern, wann ich das letzte Mal Neid empfunden habe. Klar, kenne ich diese Empfindung auch, aber sie hat mir in der Vergangenheit nie etwas Gutes beschert. Mit den Jahren habe ich den Sumpf des Neides und des heimlichen Grolls deshalb immer mehr ausgetrocknet.

Ich bewundere bestimmte Menschen einfach nur, ohne dass die Bewunderung etwas Sklavisches hat. Sie findet auf Augenhöhe statt. Wie von König zu König. In dem Moment der Bewunderung fühle ich mich nicht schlechter oder weniger wertvoll, nur weil ich jene Fähigkeit oder jenen Charakterzug nicht habe. Ich weigere mich, mich in der Gegenwart irgendeines Menschen erniedrigt oder untergeordnet zu fühlen. Ebenfalls wie ein König.

Manchmal merke ich, dass mit der Bewunderung eines anderen Menschen der Wunsch in mir geweckt wird, eine bestimmte Fähigkeit oder einen bestimmten Charakterzug auch in mir zu wecken, jedoch mit der Bedingung, dass die Fähigkeit oder der Charakterzug meinem Wesen so eigen ist, wie es bei dem anderen Menschen der Fall ist. Ich wünsche mir dann also keine Kopie des Bewunderten, sondern eine zu mir passende Ausprägung des Gewünschten.

Ich nutze dann die Bewunderung als Ansporn für meine eigene Weiterentwicklung.

Es gibt dazu ein passendes Sprichwort aus China:

Neid sieht nur das Blumenbeet, aber nicht den Spaten.

Ich versuche immer beides zu sehen und den Spaten direkt in die Hand zu nehmen, um mein eigenes Blumenbeet zu gestalten.

Man kann eine Angewohnheit, also in diesem Fall das Neidischsein, natürlich nicht von heute auf morgen abstellen, aber man kann anfangen, sie langsam immer mehr in etwas Positives umzuwandeln.

Es hilft, sich zu fragen:

Warum ist meine Bewunderung für diesen Menschen eigentlich so groß?

Welche Schritte kann ich unternehmen, um XY auch bei mir zu wecken?

Was muss ich lernen, um XY zu erreichen?

Wie wäre es, den Menschen, den ich bewundere, um Rat zu fragen? Was würde dagegen sprechen?

Was sind meine Stärken, die ich dazu einsetzen kann, um die erwünschte Fähigkeit zu erlangen?

Für welche Dinge, Fähigkeiten und Umstände kann ICH dankbar in meinem Leben sein?

Gerade die letzte Frage sollte nicht vergessen werden, denn bei all der Konzentration auf andere, ist es wichtig, sich selbst nicht zu vergessen. Wenn mal wieder der Neid aufkeimt, dann kann es helfen, sich auf seine eigenen Stärken zu besinnen und sich daran zu erinnern, was einen aus- und einzigartig macht.

Fühl dich nicht schlecht, wenn du Neid empfindest. Denke dabei nicht, dass er in deinem Charakter verwurzelt ist.

Fange an, mit dem Gefühl zu experimentieren. Sieh Neid als Chance. Sieh ihn als Richtungshinweis, als Inspiration, als Signal oder als Wunsch, der in dir schlummerte und der jetzt glücklicherweise von einem anderen Menschen geweckt wurde. Sei doch froh, dass du die Stärken anderer erkennst und daraus ableitest, welche Stärken du dir für dich selbst wünscht. Diesen Wünschen kannst du dann aktiv nachgehen. Mit diesem Denken sieht man die Stärken der anderen nicht mehr als bedrohlich, sondern als hilfreich an.

Und vielleicht hilft auch manchmal die Frage, ob es wirklich so fantastisch wäre, das zu haben, was der oder die Andere hat. Wäre es wirklich immer ohne Ausnahme toll? Gibt’s vielleicht auch Schattenseiten?

Aus der bewussten Beschäftigung mit dem destruktiven Gefühl des Neides kann das konstruktive Gefühl der Bewunderung erblühen.

2 Kommentare zu „Bewunderung und Neid“

  1. Super geschrieben. Ich denke dass vor allem seit Facebook und Instagram so präsent sind, die Leute noch mehr Neid empfinden als früher. Denn wenn man die ganzen Fotos betrachtet, denkt man nur wie andere das perfekte Leben führen. Und keiner denkt darüber nach wie es hinter den Kulissen ausschaut.

    1. Ich danke dir, liebe Martina!

      Ich finde deinen Gedanken sehr interessant. Es ist eine gute Frage, ob es heutzutage mehr Neid in unserer Gesellschaft gibt. Das kann ich gar nicht sagen. Gibt es Meinungen dazu?

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