Das Glück des Alleinseins

Das Glück des Alleinseins
Bildquelle: Marten Threepwood

Alleinsein.

Was denkst du bei diesem Wort?

Ist dieses Wort für dich eher mit einem positiven oder negativen Gefühl  verbunden?

Für mich ist dieses Wort eher mit einem positiven Gefühl verbunden.

Meistens genieße ich das Alleinsein. So wie jetzt gerade beim Schreiben.

An einigen Tagen kann ich mir nichts Besseres vorstellen, als mit mir alleine zu sein und zu entspannen, meinen Interessen nachzugehen und nach meinem ganz eigenen Rhythmus zu leben.

An anderen Tagen dagegen sehne ich mich nach Gesellschaft. Deswegen verwendete ich oben das Wort „eher“. Alleinsein ist nicht immer toll.

Man kann das Alleinsein nur genießen, wenn man sich nicht einsam fühlt.

Alleinsein und Einsamkeit sind zwei verschiedene Dinge und der Unterschied ist schnell erklärt.

Einsamkeit ist vor allem ein Gefühl. Du kannst dich einsam fühlen, wenn du alleine oder unter Leuten bist. Das Gefühl der Einsamkeit entsteht meistens dadurch, dass dir Menschen fehlen, die dir Beachtung, Anerkennung oder Liebe schenken. Wenn man einsam ist, ist man mit den Gedanken oft nicht im Hier und Jetzt, sondern in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Einsamkeit ist ein Warnsignal, das dir sagt, dass du dir Anschluss suchen, Kontakte knüpfen und aktiv werden solltest.

Alleinsein ist dagegen einfach eine Situationsbeschreibung. Die Situation kann positiv oder negativ sein – das Wort gibt keine Wertung vor.

Lerne das Alleinsein schätzen

Das Alleinsein ist eine große Chance.

Man kann sich selbst näher kommen, Auszeiten vom hektischen Alltag nehmen und entspannen, kreativ sein, die eigenen Gedanken und Gefühle bewusst wahrnehmen, in Ruhe über Lebensziele nachdenken und sich selbst mit Aufmerksamkeit versorgen.

Wichtig ist, dass du dich nicht ständig von dir ablenkst, wenn du alleine bist, weil du dann automatisch anfängst, dein Glück im Außen zu suchen. Also lege mal das Handy weg, schalte den Fernseher aus und konzentriere dich auf deine Bedürfnisse.

Es ist der bessere Weg, das Glück in dir selbst zu generieren, als zu versuchen, es durch den Konsum von irgendwelchen kaufbaren Dingen zu ernten.

Ich möchte dir damit nicht sagen, dass es falsch ist, einen Teil deines Lebensglücks auch in dem Konsum von Produkten zu finden. Ich möchte dir nur sagen: Lerne, etwas mit dir selbst anzufangen und parke dich nicht stundenlang auf der Couch vor dem Fernseher.

Lerne, mit dir selbst glücklich zu sein. Man spricht hier von Selbstgenügsamkeit. Herbert Grönemeyer besingt diese Erfahrung in seinem Lied „Blick zurück“:

Der Sommer ist deine Lieblingsjahreszeit. Der goldene Schimmer, der auf deinen Wimpern liegt, ist, was dir genügt, weil du dir genügst.

Wenn du gerade alleine bist, dann spüre jetzt mal, was dein Gefühl dir sagt.

Worauf hast du gerade Lust? Was würde dich jetzt erfüllen? Was würde dich glücklich machen?

Wenn du dir nicht sicher bist, probiere verschiedene Dinge aus.

Investiere Zeit in deinen Traum, starte ein neues Projekt, lerne ein Instrument, koche dir etwas Schönes, male ein Bild, habe einen Spaßtag, …

Negative Gefühle beim Alleinsein

Wenn du alleine bist, kann es aber auch sein, dass einige negative Gefühle in dir hochkommen. Auch hier ist Ablenkung nicht der richtige Weg.

Versuche, deinen Gefühlen einen Raum zu geben und zu akzeptieren, damit sie sich wieder auflösen können und Platz für gute Gefühle machen.

Frage dich:

Was brauchst du gerade? Was willst du? Wen vermisst du? Was vermisst du? Warum hast du gerade dieses unangenehme Gefühl?

Es ist okay, wenn du weinst. Es ist auch okay, wenn du wie ein Irrer / eine Irre auf dein Kissen einschlägst, um deine Wut rauszulassen.

Lasse es nicht zu, dass deine Emotionen sich anstauen – beschäftige dich mit ihnen. Wenn du alleine bist, ist dies eine großartige Chance dafür.

Vielleicht denkst du jetzt:

Wie soll ich denn alleine sein? Ich bin in einer Beziehung und wohne mit einer anderen Person zusammen.

Ich sage: Du kannst und solltest dir trotzdem Zeiten für dich nehmen. Zeiten, in denen du dich alleine in ein Zimmer zurückziehst, spazieren gehst oder einem Hobby nachgehst.

Wieso?

Das möchte ich, beziehungsweise möchte Osho, dir gerne jetzt erläutern.

Das Alleinsein in einer Beziehung

Osho hat in seinem Buch mit dem wunderbaren und schon vielsagenden Titel Liebe, Freiheit, Alleinsein beschrieben, dass die Begriffe Liebe, Freiheit und Alleinsein zusammengehören.

Die Wichtigkeit des Alleinseins innerhalb einer Beziehung beschreibt Osho folgendermaßen:

 „Tatsache ist, dass du das Alleinsein nur genießen kannst, wenn du auch eine Beziehung genießen kannst.

Durch die Beziehung entsteht ein Bedürfnis nach Alleinsein – es entsteht ein Rhythmus. Wenn du dich mit einem anderen tief einlässt, entsteht ein großes Bedürfnis, auch wieder allein zu sein.

Du beginnst dich verausgabt, erschöpft und müde zu fühlen – eine freudige Müdigkeit, eine glückliche Müdigkeit, aber Erregung ist immer anstrengend.

Es war wunderbar in Beziehung zu sein, aber nun möchtest du dich wieder in dein Alleinsein zurückziehen, um dich zu sammeln, um wieder überfließend zu werden und dich wieder in deinem Wesen zu verankern.

In der Liebe bist du im Wesen des anderen aufgegangen und hast den Kontakt zu dir selbst verloren. Du warst wie betrunken, warst darin untergegangen. Nun musst du dich erst wieder selbst finden.

Und sobald du allein bist, entsteht wieder das Bedürfnis nach Liebe. Bald bist du wieder so voll, dass du es gerne teilen möchtest. Du fließt so über, dass du gerne jemanden hättest, dem du dich schenken kannst.

Liebe entsteht aus dem Alleinsein. Das Alleinsein macht dich übervoll und die Liebe empfängt deine Gaben. Die Liebe macht dich leer, so dass du wieder voll werden kannst. Und jedes Mal, wenn die Liebe dich leer gemacht hat, ist das Alleinsein da, um dich zu nähren und zu integrieren.

So entsteht ein Rhythmus.

Diese beiden Bereiche zu trennen ist die gefährlichste Dummheit, unter der die Menschen zu leiden hatten. Das Liebesleben bringt keine Erfüllung, wenn es nur aus einer Hälfte besteht – etwas Halbes kann nie die Erfüllung bringen. Nur das Ganze ist erfüllend.

Es ist ein und dasselbe Pendel, das einmal nach links und einmal nach rechts schwingt. Versucht nicht, es auf der linken oder rechten Seite festzuhalten. Wenn ihr das Pendel auf einer Seite fixieren wollt, macht ihr die Uhr kaputt.“

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