Den Kleiderschrank ausmisten – Ein Schritt in deine Freiheit

Den Kleiderschrank ausmisten – Ein Schritt in deine Freiheit
Bildquelle: Pexels

Ich stehe ratlos vor dem Kleiderschrank.

Was soll ich heute bloß anziehen?

Ich stehe 2 Minuten einfach nur dort und spiele verschiedene Kleidungskombinationen im Kopf durch.

Dann werde ich aktiv. Ich ziehe eine Hose und einen Pullover an und merke vor dem Spiegel, dass es in meiner Vorstellung besser aussah.

Ich probiere einen anderen Pullover an. Aber plötzlich passt das T-Shirt nicht mehr dazu. Außer vielleicht, wenn ich eine Hose in der Farbe des T-Shirts finde …

Stopp, stopp, stopp.

Ein echter Albtraum für mich.

So eine Situation kann bei mir  glücklicherweise nicht mehr vorkommen.

Aus zwei Gründen:

  • Ich habe gar nicht so viele Klamotten.
  • Die Klamotten, die ich habe, sind so aufeinander abgestimmt, dass sie alle zueinander passen (eigentlich sind sie fast alle schwarz). Ich habe zum Beispiel einen schwarzen Pullover in achtfacher Ausführung im Schrank liegen und ziehe nur selten einen anderen an.

Wie kam es dazu?

Ich hatte einfach keine Lust mehr, mir jeden Tag Gedanken darüber machen zu müssen, was ich anziehen kann.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Es ist mir schon sehr wichtig, dass ich mich in meinen Klamotten wohl fühle. Ich bin nicht einer von denen, die sagen: Kleidung ist unwichtig.

Aber ich wollte die Zeit, die ich damit verbringe, mir zu überlegen, was ich anziehen kann, auf ein Minimum reduzieren.

Vor ein paar Jahren räumte ich also meinen Schrank auf und sortierte gnadenlos aus.

Es ist ein gutes Gefühl für mich, ohne zu überlegen etwas aus meinem Schrank herausgreifen zu können und zu wissen, dass ich mich in diesen Klamotten wohlfühle und dass (fast) alle Kombinationsmöglichkeiten möglich sind.

Das ist auch ein Grund, weshalb ich oft eine Mütze trage. Ich habe einfach keine Lust, so viel Zeit in meine Frisur zu investieren. Mütze auf, fertig.

Das sagen bekannte Persönlichkeiten dazu

Als ich mich bewusst mit dieser Thematik beschäftigte, merkte ich schnell, dass ich nicht der Einzige bin, der so denkt.

Ob nun Steve Jobs, Christopher Nolan, Mark Zuckerberg, Johnny Cash, Stefan Raab, Barack Obama oder Christoph aus „Die Sendung mit der Maus“, sie alle sind der Meinung:

Es ist Zeitverschwendung, sich viele Gedanken über Kleidung zu machen.

Mark Zuckerberg sagt:

„I really want to clear my life so that I have to make as few decisions as possible about anything except how to best serve this community [Facebook]. I feel like I’m not doing my job if I spend any of my energy on things that are silly or frivolous about my life, so that way I can dedicate all of my energy towards just building the best products and services.“

Auch Barack Obama geht auf das Energiesparen ein:

„You’ll see I wear only gray or blue suits. I’m trying to pare down decisions. I don’t want to make decisions about what I’m eating or wearing. Because I have too many other decisions to make.”

Farin Urlaub, der Frontsänger von Die Ärzte:

„Ich habe in meinem Leben immer das Gleiche an. Ich möchte einfach nicht über so etwas Bescheuertes nachdenken, wie <Was ziehe ich an?> Außerdem habe ich Punk immer verstanden als <Tu, was du willst> und nicht <Sieh so aus wie Johnny Rotten im Jahre 1977.>“

Die Idee der Uniform und der Capsule Wardrobe

Während es einige bekannte Persönlichkeiten gibt (sehr häufig Männer), die täglich das gleiche Outfit tragen und darüber nur wenige Worte verlieren, scheint dieses Konzept erst seit kurzer Zeit auch die Frauen zu beschäftigen.

Es gibt das sogenannte Uniform-Project von Sheena Matheiken, die ein ganzes Jahr lang die gleiche Kleidung trug. Falls dich das weiter interessiert, lies doch mal hier rein. Auch andere Frauen entdecken seit einiger Zeit dieses Konzept für sich und berichten häufig in Form von Blogs, Instagramposts oder über andere soziale Medien von ihren Erlebnissen und Empfindungen. Das Interessante daran ist, dass meistens sehr wenige Menschen des näheren Umkreises überhaupt gemerkt haben, dass die jeweilige Person jeden Tag dasselbe trug.

Weitaus bekannter und noch beliebter bei den Frauen ist die Capsule Wardrobe. Sie geht häufig einher mit dem Minimalismus-Trend. Bei einer Capsule Wardrobe trägt man nicht jeden Tag das gleiche Outfit, hat aber eine begrenzte Auswahl an Kleidungsstücken, die (fast) alle miteinander kombinierbar sind. Einer der bekanntesten Blogs über Capsule Wardrobes ist Unfancy von Caroline. Bei diesem Konzept geht es vor allem darum, seinen Stil zu finden, weniger Zeit bei der Wahl der Klamotten zu benötigen und sich in den Sachen, die man hat, richtig wohl zu fühlen.

Ich möchte dir nun die Vorteile verraten, die du hast, wenn du deinen Kleiderschrank ausmistest und nur noch das behältst, was du wirklich anziehst und was im besten Falle auch noch leicht miteinander kombinierbar ist.

Vorteile eines reduzierten Kleiderschranks

1. Vorteil:

Du sparst Zeit und hast dadurch auch weniger Stress am Morgen.

2. Vorteil:

Du musst weniger Entscheidungen fällen und hast mehr Energie, die du für deine Ziele und Träume aufbringen kannst.

Du musst dir also nicht mehr überlegen: Ist das zu lang? Ist das zu kurz? Ist das zu förmlich? Ist das zu blau?

Man hat nämlich tatsächlich erforscht, dass es so etwas wie Entscheidungsmüdigkeit gibt. Dahinter steht die Annahme, dass wir jeden Tag nur über ein begrenztes Energiebudget verfügen und jede Entscheidung davon etwas abbucht. Es kann also vorkommen, dass für die wirklich wichtigen Entscheidungen keine Energie mehr vorhanden ist, wenn sie vorher durch kleine unwichtige Entscheidungen aufgebraucht wurde.

3. Vorteil:

Du hast mehr Platz. Und das kann sehr befreiend sein.

4. Vorteil:

Du hast einen freieren Kopf.

Auf dem Weg zur Arbeit/in die Uni/zur Schule/… musst du dir keine Gedanken mehr darüber machen, ob du das Richtige anhast. Du musst dich nicht mehr mit Gedanken rumärgern, wie Ach, hätte ich doch bloß etwas anderes angezogen. Und solche Gedanken kennt doch jeder.

5. Vorteil:

Du bist einzigartig, weil du deinen Stil gefunden hast und dazu stehst. Was wäre zum Beispiel Stefan Raab ohne sein Jackett, sein blaues Hemd und seiner Jeans oder Steve Jobs ohne seine Rollkragenpullis gewesen? Jedenfalls hätten sie sehr an Einzigartigkeit und an Wiedererkennungswert eingebüßt.

6. Vorteil:

Du fühlst dich wohler in deiner Haut, weil du Klamotten trägst, die dir wirklich stehen und die dir wirklich gefallen. Diese Zufriedenheit wird sich positiv auf dein Auftreten und deine Gelassenheit auswirken.

7. Vorteil:

Du sparst wahrscheinlich einiges an Geld, da du weniger Klamotten kaufen wirst, die du sowieso nicht tragen wirst und du besser einschätzen kannst, was du gerade wirklich brauchst.

8. Vorteil:

Du kannst mehr in Qualität als in Quantität investieren. Anstatt dir zehn günstige T-Shirts zu kaufen, kannst du dir lieber ein paar richtig gute kaufen, die du wirklich magst und die dir lange erhalten bleiben.

Aussortieren – Los geht’s!

Schön, wenn du dich entschlossen hast, deinen Schrank auszumisten.

Ich möchte dir gerne einen Tipp geben, wie du dies am besten machen kannst.

Nimm all deine Kleidungsstücke zunächst aus dem Schrank und lege sie auf dein Bett oder auf den Boden. Kein Teil bleibt im Schrank hängen oder liegen! Vergiss dabei auch nicht die Klamotten, die an der Garderobe im Flur hängen, oder die du saisonbedingt eingelagert hast.

Jetzt nimm alle Teile nacheinander bewusst in die Hand, betrachte sie und ziehe vielleicht auch nochmal die Teile an, bei denen du unsicher bist.

Hänge oder lege ein Kleidungsstück nur in deinen Schrank zurück, wenn es dir ein gutes Gefühl gibt, du es wirklich liebst und weißt, dass es zu 100% zu dir passt. Klamotten, bei denen du denkst, dass irgendwann der Moment kommen wird, in dem du genau dieses Teil brauchst, solltest du nicht behalten. Der Moment kommt nicht und wenn du etwas ein ganzes Jahr nicht getragen hast, dann wirst du es auch in den nächsten Jahren nicht tragen.

Versuche, beim Einordnen ein System zu entwickeln, das dir Ordnung und Übersichtlichkeit garantiert. Du kannst deine Kleidung zum Beispiel nach Farben ordnen. Oder noch besser: nach Kategorien (Pullis, T-Shirts, Hosen, etc.). Wenn du einen Teil oder alle deine Klamotten in einer Kommode lagerst, dann gibt es eine tolle Faltmethode von Marie Kondo, durch die du nie die Übersicht verlieren wirst, weil die Klamotten aufrecht angeordnet werden, anstatt übereinandergestapelt zu werden. Probiere es doch einfach mal aus!

Sei gnadenlos beim Ausmisten und behalte nur, was dir wirklich Freude bereitet!

Schmeiße die aussortierten Klamotten aber auf keinen Fall einfach in den Müll, sondern bringe sie zu einer Kleiderkammer, einem Kleidercontainer, gebe sie in einer sozialen Einrichtung oder einem Sozialkaufhaus ab oder verkaufe sie im Internet oder auf dem Flohmarkt.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Aufräumen.

Genieße die Freude, die du von nun an empfinden wirst, wenn du vor deinem Kleiderschrank stehst.

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