Die Fragilität des Lebens

Die Fragilität des Lebens
Bildquelle: Pexels

Vor ein paar Wochen saß ich auf meinem Bett und hatte eine Erkenntnis.

Mit Erkenntnissen ist es jedoch so, dass sie sich nicht 1 zu 1 vermitteln lassen. Ich kann dir diese Erkenntnis zwar mit meinen Worten schildern und bestimmt inspirieren dich diese Worte auch, jedoch sind Worte nicht dasselbe wie eine Erkenntnis, die man selbst erlangt hat. Unsere Sprache besteht aus fünf Grundlauten (die Vokale a, e, i, o, u), die von den Stimmbändern erzeugt werden, und Konsonanten, die durch Luftdruck gebildet werden (s, f, g, usw.). Diese Kombination von Lauten ermöglicht es leider nicht, eine Erkenntnis oder etwas ähnlich Tiefsinniges 1 zu 1 zu vermitteln. Trotzdem können Worte natürlich viel bewegen. Aber wichtiger sind die tatsächlichen Erfahrungen, die wir machen. Das nur nebenbei.

Also welche Erkenntnis hatte ich denn jetzt?

Ich hatte die Erkenntnis, dass das Leben höchst fragil ist. Diese einfache Wahrheit vergessen wir im „sicheren“ Alltag manchmal.

Alles ist zerbrechlich und unsicher.

Alle Dinge nutzen sich irgendwann ab, fallen auseinander oder gehen zu Ende.

Das ist auch bei uns Menschen so. Unser Körper wird geboren, altert, stirbt und verschwindet wieder.

Und wenn wir dies einmal in die größere Dimension übertragen und an die ferne Zukunft denken, dann wird es wahrscheinlich so sein, dass die Sonne zu einem roten Riesen anschwillt und die Erde verschlucken wird. Die ganze Natur und alle Werke der Menschheit werden dann ein Ende finden.

Alles vergeht.

Ich spüre die Unsicherheit des Lebens, während ich auf meinem Bett sitze.

Ich werde traurig, denn sich unsicher zu fühlen, ist kein schönes Gefühl.

Hattest du dieses Gefühl auch schon einmal?

Oft erkennt man die Fragilität des Lebens in Grenzsituationen, Krisen, während des Scheiterns oder in großen Lebensumbrüchen.

Ich erkenne, dass es im Außen also unmöglich eine Sicherheit geben kann. Keiner kann dir garantieren, dass morgen oder in fünf Minuten noch alles so ist, wie es mal war. Man kann sich natürlich vormachen, dass es Sicherheit gibt, aber es gibt sie nicht. Auch nicht in einem scheinbar sicheren Land wie Deutschland. Denke mal darüber nach und sage mir dann: Wer oder was ist wirklich sicher?

Klingt alles bisher nicht so gut, oder?

Es macht uns Angst, wenn wir erkennen, wie zerbrechlich und verwundbar unser Körper ist. Oder denke mal an deine zwischenmenschlichen Verbindungen und Beziehungen, die theoretisch mit einem einzigen Wort, oder im tragischsten Falle durch einen Schicksalsschlag, auseinanderbrechen könnten.

Aber ich werde dir nun deutlich machen, dass diese Erkenntnis wirklich etwas Wunderbares mit sich bringt.

Die wunderbaren Folgen dieser Erkenntnis

Als ich erkenne, dass es keine Sicherheit im Außen gibt, leuchtet mir gleichzeitig ein, dass es wahre Sicherheit nur im Inneren geben kann. Damit meine ich inneren Frieden, Entspanntheit und einen Zustand, in dem man das Leben, so wie es ist, annimmt. Wir können unseren Lebensweg so lenken, dass wir diesem Zustand immer näher kommen.

Als ich erkenne, wie fragil das Leben ist, wird mir klar, dass wir Menschen, die uns wichtig sind, nicht vollkommen wertschätzen könnten, wenn wir vergessen oder verdrängen, dass sie eines Tages nicht mehr da sein werden. Sie werden eines Tages nicht mehr an unserer Seite sein. Vielleicht ist diese Erkenntnis eine wunderbare Chance, die gemeinsame Zeit mit diesen Menschen mehr zu genießen.

Ich kann mir vorstellen, dass diese Erkenntnis dafür sorgt, dass mein Herz sich gegenüber anderen Menschen mehr öffnet, da ich ihre Schmerzen und Verluste erkenne, die mit allen Dingen zusammenhängen, die für sie zerbrochen sind oder zerbrechen könnten. Vielleicht fühle ich mich auch mehr verbunden mit ihnen, da ich sie, wie mich selbst, nun als Teil des fragilen Lebens wahrnehme.

In einigen Momenten oder an einigen Punkten sind wir vielleicht unnötigerweise zerbrechlich. Zum Beispiel, wenn wir Kritik zu persönlich nehmen oder andauernd krank sind, weil wir uns schlecht ernähren. Hier können wir uns jedoch entwickeln, damit wir an diesen Stellen stärker werden.

Jetzt, wo ich die eigene Begrenztheit und Zerbrechlichkeit vor Augen habe, sage ich mir einmal mehr: Ich werde keinen Tag mehr warten, um meine Ziele und Träume zu verwirklichen.

Alles zerbricht.

Das ist die Fragilität des Lebens.

Wir sollten versuchen, Frieden im Unvermeidlichen zu finden.

Wir sollten die Zerbrechlichkeit umarmen und akzeptieren, anstatt sie zu verdrängen, denn es ist doch genau diese Zerbrechlichkeit, die alles so kostbar macht.


Hier ist der Artikel eigentlich zu Ende. Aber ich habe noch einen kleinen Nachtrag.

Ich möchte dir die Fragen stellen, die ich mir selbst gestellt habe, nachdem ich diesen Blogartikel noch einmal durchgelesen habe:

Ist wirklich alles vergänglich? Oder gibt es etwas, das nicht an Zeit und Raum gebunden ist?

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