Die Kleinigkeiten im Alltag

Kleinigkeiten & Glück im Alltag
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Ich finde die folgende Defintion von Glück ziemlich treffend:

Glück ist die Freude am Sein.

Aber was bedeutet das genau für den Alltag?

Es bedeutet, in allem, was uns im Alltag begegnet, Freude zu finden. Besonders in den Kleinigkeiten, denn wie entscheidend Kleinigkeiten für das Glück im Alltag sind, bringt die Figur David Aames aus dem sehr guten Film Vanilla Sky auf den Punkt:

Es sind die unwichtigen Dinge, die Kleinigkeiten … Nichts ist wichtiger, nicht wahr?

Die Kleinigkeiten bestimmen unseren Alltag, denn wenn man jeden Abend  alle Kleinigkeiten zusammenzählen würde, käme man zu dem Schluss, dass sie einen großen Teil unseres Daseins ausmachen. Sie haben einen sehr großen Einfluss auf uns und unser Wohlbefinden.

Wenn wir sie nicht gut behandeln, fangen sie an, lästig zu werden und uns zu quälen. Wir haben dann am Ende vielleicht einen Tag verschenkt, den wir auch zur Freude hätten verwenden können.

Das Leben verdichten

Roger Willemsen schrieb mal, dass man das Leben nicht verlängern, aber verdichten könne.

Kannst du dir vorstellen, was er mit „verdichten“ meint?

Ich verstehe darunter, dass man, egal wo man ist oder was man gerade macht, präsent, wach und achtsam ist. Es bedeutet für mich auch, die Maschen seiner Wahrnehmung zu verdichten, um möglichst viel in den Augenblick zu ziehen. Die Momente, die du erlebst, bekommen somit eine besondere Intensität und Qualität. Das Leben verdichtet sich.

Es ist vielleicht eine Krankheit unserer Zeit, dass wir oft nie ganz bei der Sache sind, uns von den Dingen, die wir machen, wegdenken und dass wir die Fähigkeit der Vergegenwärtigung immer mehr verlernen.

Ein persönliches Beispiel

Ich hatte vor einigen Jahren mal eine Prüfung in der Uni.

Schon direkt nach dem Aufstehen, beim Anziehen, habe ich mich schon so sehr in die Prüfungssituation hineingedacht, dass ich mit den Gedanken gar nicht wirklich beim Anziehen war.

Dann putzte ich Zähne, hantierte aber vielmehr mit meinen Sorgen herum, als mit meiner Zahnbürste.

Auch das Essen nahm ich eher nebenbei auf, während ich die letzten Informationen zu der Prüfung verschlang.

Auf dem Weg zur Uni dachte ich darüber nach, was passieren würde, wenn ich die Prüfung nicht bestehen würde. Ich war so unbewusst unterwegs, dass mich keine der auf meinem Weg liegenden Freuden erreichte. Wie eine programmierte Maschine, die keinen Sinn für die Schönheit der Welt und die wunderbaren Details hat, bewegte ich mich geradlinig und unbewusst zur Uni.

Und so stand ich vor der Tür des Professors, dessen Büro ich in fünf Minuten betreten sollte.

Wie hätte ich bloß vor der Tür gestanden, wenn ich jede Kleinigkeit am Morgen zelebriert hätte, anstatt, betäubt durch meine Sorgen, an ihnen vorbeizuleben?

Es wäre meine Aufgabe gewesen, mich morgens bewusst für die angenehmste Kleidung zu entscheiden. Es wäre meine Aufgabe gewesen, die seit Jahren automatisch ablaufenden Bewegungen meiner Hand beim Zähneputzen zu beobachten und vielleicht spielerisch zu erweitern, möglichst viel Wohlbefinden aus dem Frühstück zu ziehen und satt, zufrieden und beseelt durch einen anregenden Spaziergang in die Uni zu marschieren.

Was für ein Unterschied!

Die entscheidenden Kleinigkeiten

Nehmen wir die vielen kleinen Momente unseres Lebens nicht mehr wirklich wahr, leben wir in einer Momentarmut, aus der früher oder später Unglück folgen muss.

Die Kleinigkeiten in unserem Alltag geben uns jeden Tag viele Chancen, an unserer Aufmerksamkeit zu arbeiten. Die Gewohnheit, uns von den Dingen, die wir machen, wegzudenken,  können wir Stück für Stück aus unserem Leben streichen. Du weißt ja: Du übst immer.

Der Schriftsteller und Philosoph Jean-Jacques Rousseau formuliert es so:

Nicht der Mensch hat am meisten gelebt, welcher die höchsten Jahre zählt, sondern der, welcher sein Leben am meisten empfunden hat.

Ein unachtsamer Mensch wird den Weg zu seiner Arbeit schlafwandeln und die Freuden des Weges verpassen, während ein aufmerksamer und achtsamer Mensch seinen Blick nach innen und außen bewusst steuert und viele Details des Lebens wahrnimmt.

Diese beiden Menschen werden auch das gleiche Essen auf ganz verschiedene Weisen zubereiten. Während der eine die Zubereitung als Mittel zum Zweck sieht, entdeckt der andere die Freuden der Zubereitung, probiert hier und da auch etwas aus und rührt die zubereitete Suppe vielleicht so sorgsam und aufmerksam um, als würde er ein Bild malen.

Ich denke, dass in den Worten von Aames, Willemsen und Rousseau eine Botschaft steckt, die in etwa so lauten könnte:

Das Glück steckt in den Kleinigkeiten.

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2 Kommentare zu „Die Kleinigkeiten im Alltag“

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