Die Sache mit der Bildung

Bildquelle: Pixabay

Was heißt es eigentlich, gebildet zu sein?

Ist jemand gebildet, der viele gute Abschlüsse in der Tasche hat?

Könnte man die Bildung auf Abschlüsse und Noten reduzieren, dann frage ich mich, warum es vorkommt, dass die Menschen mit den höchsten Abschlüssen manchmal die beschränkteste Sicht haben und die unsinnigsten Dinge von sich geben.

Über die Sache mit der Bildung möchte ich heute zusammen mit dir etwas nachdenken.

Zum Glück kommen uns aber noch ein paar liebe Menschen zur Hilfe:

Napoleon Hill – der Autor eines der erfolgreichsten Bücher aller Zeiten (Denke nach und werde reich)

Richard David Precht – der bekannteste deutsche Philosoph

Der 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso – Friedensnobelpreisträger

3 Definitionen & Mein Senf

Fangen wir mit Napoleon Hill an. Er schrieb:

Ein gebildeter Mensch ist nicht unbedingt jemand, der über eine Menge Allgemein- oder Fachwissen verfügt, sondern vielmehr einer, der seine geistigen Fähigkeiten so entwickelt, dass er in der Lage ist, sich alles anzueignen, was er möchte, ohne dabei die Rechte anderer zu verletzen.

Er hat Recht, wie ich finde.

Was bringt es, den längsten Fluss in China mit Namen zu kennen? Oder zu wissen, was ein Äonothem ist? Oder die Reihenfolge der deutschen Bundespräsidenten zu kennen? Was macht das Wissen um die Hauptstädte der afrikanischen Länder oder um die Funktionsweise eines Dieselmotors mit mir?

Fördert es mich in meiner Entwicklung? Festigt es meinen Charakter oder trägt es dazu bei, dass sich meine Persönlichkeit entfaltet? Fördert es meine Denkkraft? Macht es mich moralischer oder ehrlicher? Macht es mich menschlicher? Beschert es mir Freude oder macht es mich lebendiger?

Auf jeden Fall gibt es Menschen, die so ein spezielles Wissen sehr interessiert und erfüllt. Und es ist gut, dass es diese Menschen gibt, denn sie bringen möglicherweise mit diesem Wissen die Gesellschaft ein Stück voran. Auch geschichtliches Wissen ist gerade für Politiker wichtig, damit sie bestimmte gesellschaftliche Prozesse verstehen lernen und in die richtige Richtung lenken können.

Ein gewisses Maß an Allgemeinwissen ist sicher hilfreich und trägt auch zur Lebensqualität bei. Aber warum muss ich etwas wissen, wenn es in meinem Leben keine Rolle spielt und ich mich nicht dafür interessiere?

Richard David Precht schreibt:

Bildung bedeutet, so viele Menschen wie möglich dazu zu befähigen, ein erfülltes Leben zu leben.

Wenn dem so ist, dann bleibt die Frage: Was ist ein erfülltes Leben?

Dies kann nur jeder für sich selbst beantworten. Wie ich diese Frage beantwortet habe, kannst du hier lesen. Nur so viel schon mal vorweg: Es hat nichts mit Bergen von Allgemein- oder Fachwissen zu tun. 😉

Der Dalai Lama sagt

Bildung verändert alles.

Ja.

Absolut.

Bildung, so wie ich sie definieren würde, also Herzens- und Persönlichkeitsbildung, verändert alles. Bildung ist aus meiner Sicht das Sich-Bilden, das Gestaltannehmen einer eigenständigen Persönlichkeit, die dem Leben zugewandt ist. Ein gebildeter Mensch ist reich an innerer Welt.

Durch Bildung …

  • füllt sich das Leben mit mehr Freude.
  • kann man sich einem fortwährenden Prozess der Veränderung und des Werdens öffnen.
  • entwickelt man sich in einen Zustand hinein, in dem es keine Hoffnungslosigkeit mehr gibt, weil man gelernt hat, an Probleme kreativ und spielerisch heranzugehen.
  • lernt man, Probleme an der Wurzel anzupacken und nicht an irgendeiner Verästelung.
  • lernt man, seine Gedanken bewusst wahrzunehmen und zu verändern.

Finde deine Definition von Bildung

Dadurch, dass ich meine eigene Definition zum Thema Bildung habe, kann ich fortan noch besser damit umgehen, nicht jede Lexikonseite eingeatmet zu haben.

Ich mache mir nicht mehr den Druck, möglichst viel wissen zu müssen.

Wenn mich etwas interessiert, beschäftige ich mich freudig damit. Aber wenn mich etwas nicht interessiert, verbringe ich meine Zeit lieber mit Dingen, die mich interessieren.

Vielleicht hat dieser Artikel dich auch ein Stück weit dahin gebracht, dass du die ganze Diskussion um Allgemeinbildung & Bildung an sich nun auch ein bisschen lockerer sehen kannst.

Wie sieht deine Definition von Bildung aus?

2 Kommentare zu „Die Sache mit der Bildung“

  1. Super geschrieben! Ich denke auch, Bildung liegt viel mehr in der Fähigkeit, mit Wissen oder auch Kunst umzugehen als in der Anhäufung von Fakten. Jemand, der z.B. ein Gedicht nicht nur liest, sondern auch interpretieren und dessen Bedeutung auch auf aktuelle Situationen übertragen kann, ist für mich gebildeter als jemand, der die 100 bedeutendsten Gedichte (wobei da wiederum die Frage ust, wie so ein Kanon entsteht und wie berechtigt er ist, aber das ist ein anderes Thema) auswendig aufsagen kann, aber den Inhalt nur oberflächlich erfasst. Jemand, der weiß, wie er sich Wissen verschafft, sinnerfassend liest und dabei auch mit einem kritischen Verstand herangeht und versucht, vermeintliche von tatsächlichen Fakten zu unterscheiden, ist für mich gebildeter als jemand, der zwar über eine breite Allgemeinbildung verfügt und die Geschichte der Wissenschaften runterbeten kann, dann aber daran scheitert, sich kritisch mit aktuellen Informationen auseinanderzusetzen und sich selbst ein Bild zu verschaffen, wo es das noch nicht vorgefertigt zum Auswendiglernen gibt.

    Liebe Grüße

    Claudia

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