Gelassenheit lernen – Der wichtigste Schritt

Gelassenheit lernen
Bildquelle: Marten Threepwood

In den letzten Tagen gab es viele Situationen, Umstände und Gedanken, die mich hätten aufregen können.

Trotzdem waren meine letzten Tage von einer großen Gelassenheit geprägt. Und zwar, weil ich versucht habe, all die Dinge, die mir passierten, einfach anzunehmen.

Die Alternative zu „Ich nehme die Dinge so wie sie sind“, ist: „Ich kämpfe dagegen an„.

Wenn wir Schmerzen haben, negative Gedanken oder sonstige Umstände uns belasten, sagen wir uns oft: „Ich will das nicht haben. Das soll weggehen. Ich will, dass das aufhört.“

Aber dadurch, dass wir die Dinge nicht annehmen und gegen das ankämpfen, was ist, erzeugen wir viel Stress in unserem Leben und machen die negativen Dinge oft noch viel stärker.

Es ist also entlastend, Umstände anzunehmen.

In Norddeutschland sagt man einfach: „Tja, is so“. Hier kann man ganze Problemkomplexe mit „Is so“ erklären.

„Du, ich habe gehört, dass deine Frau sich von dir getrennt hat … das tut mir Leid für dich. Und das ausgerechnet jetzt, wo du deinen Job verloren hast und dein Fussballverein das große Pokalspiel versemmelt hat.“

„Tja, is so.“

Nicht akzeptieren

Nehmen wir mal an, dass du ein negatives Gefühl hast. Fakt ist, dass du gerade nichts an der Tatsache ändern kannst, dass du in diesem Augenblick so empfindest.

In dem Moment, in dem du gegen dieses negative Gefühl ankämpfst, bist du gespalten, in einen Teil, der kämpft und einen anderen, der bekämpft wird. Und so verpulverst du deine Energie in diesem inneren Kampf, anstatt dich so zu akzeptieren, wie du bist und diese Energien nach außen zu richten.

Nicht selten bedeutet die Unterdrückung von Negativität ihre Konservierung und häufig genug ihre Somatisierung in chronischen Krankheiten. Aber dadurch, dass wir leidvolle Emotionen vollständig annehmen, werden sie umgewandelt. Und die unguten Gefühle machen dann wieder Platz für die guten Gefühle. Für Lebendigkeit.

Unsere Gefühle sind da und wirken, ob wir sie nun akzeptieren und ausdrücken oder ob wir sie unterdrücken. Aber die Unterdrückung und das aufgesetzte Verhalten verhindern, dass wir lernen, die als störend erlebten Gefühle zu verändern, zu kultivieren und in unser Leben zu integrieren.

Das ist nicht nur mit negativen Gedanken so. Es betrifft auch Krankheiten oder Schmerzen. Oder Dinge, die in deinem Umfeld passieren.

Es gibt Umstände in meinem Umfeld, die ich akzeptiert habe und über die ich mich einfach nicht mehr aufrege, weil ich keine Lust habe, mich zum hundertsten Mal darüber aufzuregen. Wir haben die Wahl: Entweder wir akzeptieren, lernen damit zu leben und sind nicht immer wieder neu enttäuscht, traurig oder wütend. Oder wir regen uns immer und immer und immer wieder erneut über dieselbe Sache auf.

Man kann sich nicht gegen das sträuben, was ist. Na gut, man kann, aber dann leidet man.

Akzeptieren

Ich weiß, dass es manchmal echt schwer ist, Dinge anzunehmen.

Aber es ist besser, zu akzeptieren, als sich ständig zu wünschen, der Augenblick möge anders sein, als er ist und dem Schmerz, den man empfindet noch mehr Schmerz hinzuzufügen. Man würde nur noch eine weitere Schicht des Unglücklichseins erschaffen.

Es geht beim Akzeptieren darum, den Widerstand gegen das, was ist, loszulassen. Das Geschehen mental nicht länger als gut oder schlecht zu bewerten, sondern es einfach so sein zu lassen, wie es ist.

Das bedeutet jetzt aber nicht, dass du die aktuelle Situation nicht verändern könntest und es bedeutet auch nicht, dass du immer das tun solltest, was deine Gefühle dir eingeben. Hier ist Raum für deine Entscheidungsfreiheit.

Wir können anfangen, das negative Gefühl/die negativen Gedanken zu hinterfragen, zu verändern und umzuwandeln. Aber alles fängt damit an, den jetzigen Zustand zu akzeptieren.

Du brauchst auch nie die gesamte Situation anzunehmen. Du musst nur den aktuellen Moment akzeptieren. Nur das, was gerade ist. Nur das Jetzt.

Und du wirst merken, dass du viel gelassener sein wirst …

Wenn Akzeptieren nicht gelingt

Wenn dir das Akzeptieren der Umstände nicht gelingt, dann werde aktiv und schreite zur Aktion.

Sage deine Meinung oder tue etwas, um die Situation zu ändern – oder verlasse sie.

Jeder hat die volle Verantwortung für sein eigenes Leben.

Vielleicht sind die Norddeutschen so gelassen, weil sie Umstände so gut akzeptieren können. Sie wissen, dass es manchmal keinen Sinn hat, Widerstand zu leisten.

Es regnet schon wieder?

Tja, is so.

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