Ich bin dafür, denn ihr seid dagegen

Bildquelle: Marten Threepwood

Anti-Impf-Bewegung, Anti-Islam-Bewegung, Anti-Fa-Bewegung, Anti-Kita-Bewegung, Anti-Euro-Bewegung, Anti-Sekten-Bewegung, Anti-TTIP-Bewegung, …

Diese Reihe könnte man endlos fortsetzen.

Das Dagegensein ist der Kraftstoff dieser Bewegungen.

Daraus ergeben sich für mich ein paar Fragen:

Warum konzentrieren sich die Menschen dieser Bewegungen so stark auf das, was sie nicht wollen? Warum sind sie gegen etwas, statt für etwas zu sein? Warum konzentrieren sie sich auf das Nein, statt auf das Ja?

Ist es verwunderlich, dass die Wut sich fortsetzt, wenn wir auf die Menschen wütend sind, die wütend auf Menschen sind? Ist es verwunderlich, dass der Hass in der Welt genährt wird, wenn wir die Menschen hassen, die Menschen hassen? Wir verurteilen Menschen, die Menschen verurteilen und wundern uns, dass das Verurteilen weitergeht? Ist hier nicht ein Widerspruch vorhanden?

Prentice Mulford, ein amerikanischer Philosoph, schrieb einmal:

Wer den Kampf in die Welt hineindenkt, wird Kampf aus ihr empfangen. Viele unter uns, zu Parteien zusammengeschlossen, sind immer auf einem Kreuzzuge gegen andere Parteien. Klasse kämpft gegen Klasse, Rasse gegen Rasse, Nation gegen Nation. Verleumdung und Verdammung donnern von Kanzel und Tribüne runter. Überall werden bittere Gefühle erzeugt, in sich und in anderen.

Der Paradigmenwechsel

Die grundsätzliche Denkweise der am Anfang dieses Artikels genannten Bewegungen lautet vereinfacht:

Herausfinden, was ich nicht will   Konzentrieren auf das, was ich nicht will

Der erste Teil ist notwendig. Wenn man nicht herausfindet, was man nicht will, ist es schwer zu bestimmen, was man eigentlich will.

Aber wäre nicht an der zweiten Stelle ein Paradigmenwechsel erforderlich, um seine Lebenskraft für das einzusetzen, was man will?

Allzu häufig bekomme ich das Klagen von anderen Menschen im Alltag mit und frage mich dann: Und was tust du für das Gegenteil? Viel zu viel Energie geht bei diesen Leuten verloren, indem sie sich ständig beschweren und sich auf das Ungewünschte konzentrieren.

Für den Paradigmenwechsel, den ich in diesem Artikel vorschlagen möchte, muss nur ein Wort gestrichen werden, so dass es folgendermaßen aussieht:

Herausfinden, was ich nicht will Konzentrieren auf das, was ich will

Bei dieser neuen Grundhaltung ist es wichtig, sie vollständig in den Alltag miteinzubeziehen.

Die Alltagssprache

Das Dagegensein fängt nämlich im Denken an und findet seinen Ausdruck in der Alltagskommunikation. Wir alle erwähnen jeden Tag viel von dem, was wir nicht wollen:

  • Komm bitte nicht zu spät.
  • Ich erlaube es nicht, dass ihr während des Vortrags redet.
  • Ich finde Intoleranz scheiße.
  • Ich bin gegen Fremdenhass.

Dabei kann man es doch auch so sagen:

  • Ich würde mich freuen, wenn du heute pünktlich kommst.
  • Hört während des Vortrags bitte ganz genau hin.
  • Ich finde es wichtig, anderen Menschen gegenüber offen und tolerant zu sein.
  • Ich bin für eine offene Gesellschaft.

Es ist ein kleiner, aber feiner Unterschied. Achte mal spaßeshalber einen Tag lang darauf, wie viele Neins und Gegens und Antis dir in der Alltagssprache (auch bei dir selbst) begegnen.

Man sollte die Wichtigkeit der Worte, die man im Alltag spricht, nicht unterschätzen. Sie sind ein Abbild unserer Gedanken und prägen deine Gewohnheiten.

Im Talmud der Juden heißt es:

Achte auf deine Gedanken, denn sie werden deine Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden deine Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.

Ja statt nein

Bringt uns das ständige Dagegensein dahin, wo wir hinmöchten? Ich bezweifle es.

Ich glaube daran, dass es hilfreicher ist, zu bestimmen, was man nicht möchte, und sich dann voll und ganz auf das zu konzentrieren, was man möchte und Ja zu sagen.

Wir sollten uns nicht ständig zur Wehr setzen, sondern die eigene Energie nutzen und das bestärken, was gut ist und was man selbst für richtig hält.

Oder anders ausgedrückt:

Weniger Nein, Gegen und Anti und mehr Ja, Für und Pro würden der Welt gut tun.

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