Innerer Frieden – Die Geschichte mit dem Beutel

Innerer Frieden – Die Geschichte mit dem Beutel
Bildquelle: Pexels

Dieser Tag wird vorbeigehen.

Dieses Jahr wird vorbeigehen.

Dieses Leben, wie es jetzt ist, wird vorbeigehen.

Dein Leben wird vorbeigehen.

Das Leben der Menschen, die du liebst, wird vorbeigehen.

Nichts ist selbstverständlich.

Es ist genau jetzt die richtige Zeit, Menschen, Dingen und Lebensumständen unsere größtmögliche Wertschätzung zu schenken.

Die folgende Geschichte von Osho hat mir sehr deutlich gemacht, dass es unsere innere Einstellung zum Leben ist, die uns Frieden schenkt.

Es ist unser eigener Blickwinkel, der darüber entscheidet, ob wir jemanden oder etwas wertschätzend oder nicht wertschätzend behandeln.

Ein schwerreicher Mann war einst sehr frustriert.

Der Mann war unermesslich reich, fand jedoch keinen inneren Frieden. Er wünschte sich, dass sein Kopf endlich zur Ruhe käme.

Viele kluge Leute gaben ihm Ratschläge, aber nichts half.

Eines Tages bekam er den Tipp, einen weisen Mann im Nachbardorf zu besuchen.

Der reiche Mann bestieg sogleich sein edles Pferd und machte sich mit einem großen Beutel voll kostbarer Diamanten auf den Weg.

Als er nach einiger Zeit ankam, suchte und fand er schließlich den weisen Mann. Den Sufis ist er als Mulla Nasruddin bekannt.

Er fragte den Mulla: „Kannst du mir helfen, Frieden zu finden?“

Der Mulla sagte: „Helfen? Ich werde ihn dir verschaffen!“

„Kannst du das wirklich?“, fragte er. „Ich bin schon bei den verschiedensten Leuten gewesen und alle hatten sie gute Ratschläge auf Lager: Tue dies, tue das, diszipliniere dich, übe Barmherzigkeit, hilf den Armen, stifte ein Krankenhaus – mal dies, mal jenes. Und ich habe jeden Rat befolgt, aber nichts hat geholfen. In Wahrheit ist alles nur noch schlimmer geworden. Und da sagst du mir, du kannst mir Frieden verschaffen?“

Mulla meinte: „Das geht ganz leicht. Steige vom Pferd.“

Der Reiche stieg mit seinem Beutel vom Pferd.

Mulla fragte: „Was hast du da in deinem Beutel? Warum drückst du ihn so fest an dein Herz?“

„Da sind kostbare Diamanten drin. Wenn du mir Frieden verschaffen kannst, gehört der Beutel dir.“

Doch bevor er sich versah, schnappte sich Mulla den Beutel und rannte damit weg. Der Reiche war einen Augenblick lang wie betäubt. Zuerst wusste er nicht, was er jetzt tun sollte; dann musste er wohl oder übel hinter Mulla hinterherlaufen. Doch Mulla, der hier wohnte, kannte jede Straße und jede Abkürzung. Er rannte immer weiter. Der Reiche war noch nie in seinem Leben gerannt. Er war fett geworden. Er weinte, keuchte und prustete. Tränen rannten ihm über die Wangen.

„Man hat mich belogen und betrogen“, jammerte er. „Dieser Mann hat mir alles geraubt, was ich mein ganzes Leben lang verdient habe. Alles ist futsch.“

Immer mehr Leute folgten ihm und alle lachten.

„Spinnt ihr eigentlich?“, fuhr er sie an. „Gibt es hier lauter Verrückte? Man hat mich komplett ruiniert und statt den Dieb festzuhalten, lacht ihr mich aus.“

Während der Verfolgung dachte der reiche Mann mehrmals, dass er die Spur verloren hatte. Doch er rannte weiter und schwitze und blieb Mulla auf den Fersen, bis dieser an die Stelle unter dem Baum zurückgekehrt war, wo das Pferd stand. Er setzte sich mit dem Beutel unter dem Baum und wartete, bis der Reiche jammernd und keuchend herbeigelaufen kam.

Dann sagte Mulla: „Da, nimm deinen Beutel.“

Der Reiche presste den Beutel fest an sein Herz.

Und Mulla fragte: „Wie fühlst du dich? Spürst du jetzt ein wenig Frieden?“

Der Reiche sagte: „Oh ja. Es fühlt sich alles sehr friedvoll an in mir. Du bist ein merkwürdiger Mensch und hast merkwürdige Methoden.“

Mulla meinte: „Ganz und gar nicht. Das ist nur simples Einmaleins. Was man hat, wird einem mit der Zeit selbstverständlich. Erst wenn man es verliert, erkennt man seinen wahren Wert. Du hast nichts dazugewonnen. Es ist derselbe Beutel, den du ohne inneren Frieden mit dir herumgetragen hast. Und jetzt drückst du ihn ganz fest an dein Herz. Jeder kann sehen, wie friedvoll du dabei aussiehst und das nur, weil du dachtest, dass du den Beutel verloren hast. Und jetzt geh heim und lass mich in Ruhe.“

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