Intro- und Extraversion – Was diese Begriffe wirklich bedeuten

Intro- und Extraversion
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Bei den Begriffen „Introversion“ und „Extraversion“ handelt es sich um angeborene Persönlichkeitseigenschaften, die das ganze Leben stabil bleiben.

Es geht bei dieser Einteilung nicht darum, Menschen in irgendwelche Schubladen zu stecken.

Es geht darum, sich selbst und andere besser verstehen zu können.

Ich möchte dir in diesem Artikel in Kürze beschreiben, was diese Begriffe wirklich bedeuten. Außerdem werde ich einige falsche Gedanken zu diesen beiden Persönlichkeitsdimensionen aus dem Weg räumen und zeigen, dass es wirklich von Vorteil sein kann, wenn man weiß, wo man sich selbst auf der Skala einordnet.

Zur Schreibweise: Man kann sowohl „extrovertiert“ als auch „extravertiert“ schreiben. Das Wort „Extroversion“ gibt es allerdings nicht.

Ein kleiner Überblick

Wahrscheinlich weißt du schon so ungefähr, was diese Begriffe bedeuten. Ich fasse die wichtigsten Merkmale einmal für dich zusammen:

Introvertierte Menschen …

  • tanken ihre Batterien eher während des Alleinseins auf – sie sind im zwischenmenschlichen Kontakt schneller erschöpft als Extravertierte (Energie kommt von innen).
  • haben eine nach innen gekehrte Haltung (die eigenen Gefühle sind sehr wichtig).
  • brauchen weniger Gesellschaft als Extravertierte.
  • benötigen weniger äußere Reize als Extravertierte und reagieren auch empfindlicher auf diese – sie fühlen sich schnell reizüberflutet.

Extravertierte Menschen …

  • tanken ihre Batterien eher in netter Gesellschaft auf und sind eher ungern alleine (Energie kommt von außen).
  • haben eine nach außen gekehrte Haltung (es ist wichtiger, was um sie herum passiert).
  • fühlen sich schneller einsam und langweilen sich schneller als introvertierte Menschen.
  • benötigen einen höheren Input an äußeren Reizen als Introvertierte, damit sie sich stimuliert fühlen und ihr Interesse erregt wird.

Achtung: Es ist eine Skala

Es bedeutet jetzt nicht, dass du komplett das eine oder das andere bist.

Introversion und Extraversion befinden sich jeweils am Ende einer Skala.

Das bedeutet, dass du auch durchaus in der Mitte sein kannst. Jemand der es zum Beispiel genießt, mit anderen Leuten zu reisen, während der Reise jedoch immer mal wieder Rückzugsmomente braucht, ist wahrscheinlich auf der Skala eher mittig angesiedelt.

Meistens gibt es aber eine Tendenz zu mehr intro- oder extravertierten Anteilen in der Persönlichkeit.

Falsche Gedanken & Vorurteile

Es gibt einige falsche Gedanken, die automatisch entstehen, wenn man diese beiden Begriffe hört. Darum soll es jetzt gehen.

Dass du introvertiert bist, hat nichts damit zu tun, dass du nicht mit Menschen umgehen kannst.

Es bedeutet auch nicht, dass du schüchtern bist. Viele Menschen denken, dass schüchterne Menschen introvertiert sind und andersrum.

Fakt ist: Schüchternheit hat nichts mit Introversion zu tun. Schüchtern zu sein bedeutet, unsicher zu sein und sich nicht zu trauen. Introvertiert zu sein bedeutet, dass ich mich sehr wohl traue mit Menschen zu reden, aber manchmal einfach nur keinen Bock darauf habe.

Du kannst auch extrovertiert und schüchtern sein. Oder introvertiert und total kommunikativ.

Aus der Schüchternheit kann man hinauswachsen. Aber es macht keinen Sinn, aus seiner Intro- oder Extraversion herauswachsen zu wollen. Das wird nicht gelingen.

Introvertierte Menschen wollen nicht immer alleine sein und reden auch vielleicht sehr gerne.

Andersherum ist es nicht so, dass Extravertierte immer im Mittelpunkt stehen wollen. Durch ihre kommunikativen Bedürfnisse und ihre Präsenz mag es vielleicht manchmal so scheinen, aber man sollte mit dieser Schublade ganz vorsichtig sein.

Und natürlich gibt es auch im Leben eines extravertierten Menschen Tage, an denen er die Zurückgezogenheit braucht und keine Lust auf andere Menschen hat, weil es ihm beispielsweise nicht so gut geht.

Wo siehst du dich? Und warum solltest du das wissen?

Hast du dir in den letzten fünf Minuten schon Gedanken gemacht, ob du eher intro- oder extravertiert bist?

Achja, eine Sache ist auch noch extrem wichtig: Es ist nicht gut oder schlecht, intro- oder extravertiert zu sein. Beides ist bewundernswert und hat Vor- und Nachteile.

Wenn du weißt, wo du dich auf der Skala verortest, dann kannst du dich selbst in einigen Situationen vielleicht besser verstehen. Oder du kannst Dinge besser planen, weil du weißt, dass du zwischendurch deine Ruhe oder viel Gesellschaft brauchst (Reisen, Arbeitsplatz, Wohnungssituation). Es komplettiert einfach dein Selbstbild.

Finde heraus, wo du dich einordnest und weiß es zu schätzen. Du bist einzigartig.

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