Mein Gespräch mit einem 10-jährigen Jungen und was ich daraus lernte

Mein Gespräch mit einem 10-jährigen Jungen und was ich daraus lernte
Bildquelle: Pexels

Einmal in der Woche besuche ich eine Familie, in der auch ein 10-jähriger Junge zu Hause ist.

Dieser Junge liebt Musik. Er spielt Keyboard, Schlagzeug, Akkordeon, Bass und ein bisschen Gitarre.

Bei meinem letzten Besuch kam es zu diesem Gespräch:

Ich: „Jedes Mal, wenn ich dich sehe, machst du gerade Musik. Du scheinst ja echt viel Musik zu machen.“

Der Junge: „Ja. Ich mache viel Musik. Musik ist mein Leben.“

Ein 10-jähriger Junge, der seine Leidenschaft gefunden hat und seine Lebenszeit voller Hingabe genau mit dieser Sache verbringt.

Mich erinnert seine Aussage Musik ist mein Leben an mich.

Für mich hat die Musik den gleichen Stellenwert wie für den Jungen. Ich fühle mich zur Musik grenzenlos hingezogen und sage deshalb zu ihm:

„Das ist für mich auch so. Musik ist auch alles für mich.“

Der Junge: „Echt?“

Ich: „Ja.“

Kurze Pause.

Ich: „Aber ich komme gerade nicht wirklich oft dazu, Musik zu machen.“

Der Junge:  „Warum nicht?“

Ich: „Weil ich gerade nicht wirklich Zeit dafür habe.“

Der Junge blickt mich verwundert an. Dann fragt er nochmal nach.

Der Junge: „Warum nicht?“

Wieder eine kurze Pause.

Sofort fange ich an nachzudenken.

Warum nicht?

Warum habe ich eigentlich keine Zeit dafür? Sollte ich mir diese Zeit nicht einfach nehmen? So wie der Junge?

Worin liegt der Unterschied zwischen dem Jungen und mir?

Die Leidenschaft ist gleich.

Aber der Umgang damit ist anders.

Er nimmt sich einfach die Zeit. Ich gerade nicht.

Der Tag hat 24 Stunden. Ziehen wir die Schlafenszeit ab, bleiben noch etwa 16 Stunden über.

In diesen 16 Stunden habe ich keine Zeit für meine Leidenschaft? Eine Woche lang nicht? 112 Stunden lang nicht?

Das ist Blödsinn. Da gibt es auch keine gute Ausrede mehr.

Es gibt immer Wege.

Unser Leben ist kein Gefängnis, aus dem es keine Auswege gibt.

Eine bekannte und einfache Ausrede, zu der man automatisch greift, lautet:

Ich kann mir das zeitlich nicht leisten, weil ich so viel arbeite.

Was würde der Junge nun dazu sagen?

Vielleicht: „Dann nimm dir die Zeit trotzdem.“

Und er hätte Recht.

Es gibt keine Alternative.

Ich werde wieder mehr Zeit mit der Musik und dem Schreiben verbringen. Zwei Dinge, die mich erfüllen.

Was kannst du aus diesem Gespräch für dein Leben mitnehmen?

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